Die Skulpturen Triennale Bingen startet Mitte Mai und ich freue mich schon auf meine Teilnahme. Meine Installation am Museum am Strom habe ich kürzlich aufgebaut. Hier ein paar frische Impressionen und Gedanken zu einem ebenso spannenden wie herausfordernden Projekt.

Rund 20 internationale Kunstschaffende werden vom 16. Mai bis zum 4. Oktober die Bingener Uferpromenade und Teile der Innenstadt zu einem Freiluftmuseum machen. Das Motto in diesem Jahr: Verbindung und Zusammenhalt. Mir wird in diesem Rahmen die Ehre zuteil, dem Museum am Strom mit einer Installation aus pinken Wolkenstrukturen, die aus den Fenstern im ersten Stock hervorquellen, temporär eine ganz neue und ungewohnte Optik zu verleihen.

Passt zu meiner Kunst: Der Ort und seine Geschichte

Veränderung und Vergänglichkeit, verbindende Tradition sowie neue Perspektiven und Aufbrüche – diese Aspekte beschäftigen mich seit jeher in meiner Kunst. Auch meine mal schwebenden, fließenden oder wabernden Wolken aus pinkem Maschendraht sollen im Betrachter Gedanken zu diesen zentralen Themen unserer Existenz anregen. Insofern passen sowohl das o.g. übergreifende Motto der Triennale als auch der spezifische Ort eines Museums für Lokalgeschichte (Schwerpunkte: Hildegard von Bingen, Rheinromantik und Stadtgeschichte von den Römern bis heute) wunderbar zu mir.

Das Gebäude des Museums am Strom – ein ehemaliges Elektrizitätswerk aus dem Jahr 1898 mit eher dunkler Back- und Bruchsteinfassade – steht selbst durch seine neue Funktion im positiven Sinne für Veränderung, bringt Menschen zusammen und verbindet sie mit Geschichte. Insofern bietet es mir für meinen künstlerischen Ansatz und meine Formensprache beste Voraussetzungen, hält aber auch einige Herausforderungen bereit.

Kunst ist auch Handwerk: Herausforderungen und Lösungen

Meine leuchtend pinken Wolken können einerseits wunderbar vor dem Hintergrund kontrastieren und – wie gewollt – ins Auge stechen. Anderseits ergab sich die Frage, wie die möglichst nach vorne in die Luft ragenden Wolken ohne zu starken Eingriff in die Bausubstanz sicher montiert werden können. Und: Da der Rhein bei Bingen in nordwestlicher Richtung fließt, erhält die zum Ufer liegende Fassade wenig direkte Sonneneinstrahlung. Meine Überlegung war, dass sich der von mir in der Regel erwünschte, leuchtende und je nach Lichteinfall im Tagesverlauf changierende Effekt meiner Installationen hier noch einmal zusätzlich verstärkt werden muss.

An diesen beiden Stellen konnte ich auf die inzwischen erprobte Zusammenarbeit mit zwei langjährigen Partnern zählen. Meine Söhne Marc und Alexander Seibert, die zusammen ein Metallbauunternehmen führen, erstellten mir maßgeschneiderte Stahlrahmen, die eine minimalinvasive Befestigung in den Fensterleibungen erlaubten. Und Oliver Schürings, Geschäftsführer von PH Mechanik, sorgte nicht nur wie gewohnt für die Bereitstellung des oberflächenbeschichteten Maschendrahts, sondern lieferte mir darüber hinaus sechs spiegelpolierte, äußerst dünne – und dadurch flexibel bearbeitbare – Bleche aus Edelstahl im selben Maß.

Letztere haben wir vor Ort in die Metallrahmen eingepasst, kreuzförmig aufgefräst und flügelartig nach außen gebogen. So konnten wir einerseits den Eindruck verstärken, dass die pinken Wolken aus dem Gebäude „hervorbrechen“, andererseits sorgen die spiegelpolierten Flächen durch ihre Reflexionen für zusätzliche, spannende Lichteffekte.

Die Detailarbeiten hinter der Installation

Der Aufbau in Bingen Mitte April nahm etwas mehr als einen Tag in Anspruch. Das liegt vor allem daran, dass meine Wolkenstrukturen aus hunderten kleinerer, in wochenlanger Arbeit vorgefertigter Ballen aus Maschendraht bestehen, die ich erst vor Ort in die grundsätzlich vorgedachte Form zusammenbringe. Vielen Dank an dieser Stelle an Martina, Bernhard und Alex für die gemeinsame Zeit beim Zuschneiden und Biegen des mitunter widerspenstigen Materials! Ein besonders herzlicher Dank gilt an dieser Stelle allen voran Jörn Hoffmann und dem Kuratorium sowie den Mitarbeitenden der Stadtwerke Bingen, die mich mit ihrem Steiger, handwerklichem Geschick und Geduld beim Aufbau unterstützt haben.

Das romantische Mittelrheintal ist so oder so immer eine Reise wert. Die Aussicht, diese mit ein paar künstlerischen Impulsen zu verbinden, wir hoffentlich möglichst viele von euch demnächst nach Bingen führen.